Cosmetoholic – oder: ein Leben mit Naturhygiene

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Es gab eine Zeit, da habe ich viel Geld für Kosmetik ausgegeben. Ich hatte für jeden Anlass und für jeden Zweck genau das richtige Mittel: angefangen bei Mundspülung gegen Zahnverfärbungen bis hinzu Anti-Frizz-Spitzen-Fluid für die Haare. Auf der einen Seite dachte ich, dass es wahnsinnig praktisch sei, dass wir jetzt im 21.Jahrhundert leben und es zum Glück ja für alles eine Lösung gibt. Man schaut eben mal bei Google und findet wirklich viele Foren, in denen die besten Erfahrungen zu jeglichen Problemen des Alltags ausgetauscht werden. Auf der anderen Seite hatte ich nie das Gefühl, dass irgendetwas wirklich hilft. Meine Haare waren beim Regen ja trotzdem immer frizzelig, die Spitzen wurden trotzdem immer trocken. Mein Zahnfleisch war trotz aller Mittelchen immer mal wieder entzündet und so richtig weiß sind meine Zähne nie geworden, trotz aller Mühen und Kosten. Meine Haut spielte sowieso immer verrückt – ohne Creme war sie stets trocken, wenn ich sie eingecremt habe, war sie viel zu fettig.
Ich kam Anfang 2016 an einen Punkt, an dem ich wirklich genervt war – und zwar davon überhaupt im Badezimmer zu stehen und mich „fertig“ zu machen, weil ich es als sehr anstrengend empfand mich jeden Morgen zu schminken, mich einzucremen, meine Haare für den Tag bereit zu machen und und und. Zu diesem Zeitpunkt war ich mir noch nicht darüber bewusst, wieviel Geld ich eigentlich wirklich für Kosmetik ausgebe, und damit meine ich nicht, dass man zu den teuersten Marken tendiert, sondern eher die Fülle des Ganzen: Makeup und Abschminklotion, Cremes für Körper und Gesicht und für jede andere Stelle des Körpers wie bspw. Augencreme oder Fußcreme, Zahnpasta, Mundwasser, Duschgel, Seife, Haarspray, Antifrizz-Lotion, Hitzeschutz, Spitzenfluid, Haarwasser, Shampoo, Spülung, Haarkur, Deo, und vieles mehr…die Liste ist unendlich und man merkt es im schlimmsten Fall immer, wenn man auf Reisen ist und plötzlich die Waschtasche aus allen Nähten platzt. Im besten Fall kauft man in der heutigen Zeit ja auf Vorrat, weil die eine oder andere Drogeriekette ein super tolles Angebot anpreist und man besonders viel spart, wenn man sich gleich einen Jahresvorrat für eine Großfamilie anlegt.

Im Frühjahr 2016 stieß ich dann auf einen interessanten Reiseblog, der mich dazu bewegte, dieses komplette Konzept einmal zu überdenken. Sind wir wirklich so abhängig von der Kosmetik in der heutigen Zeit? Wie haben denn die Menschen vor einigen tausend Jahren das gehandhabt – oder ist es vielleicht gar noch gar nicht so lang her?

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Schon oft hatte ich davon gehört, dass es schädlich sei keine aluminiumhaltigen Deos zu benutzen und fragte mich aber – wenn das Aluminium so schädlich ist, was ist dann mit dem Rest der Inhaltstoffe, der ist „ok“? Wenn man sich eine Gesichtsmaske in türkisblau auf die Haut schmiert und die Haut die wohltuendenden, feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften aufnimmt – umgeht die Haut dann aber all die Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe, oder was ist es, was man sich dann wie eine gummiartige Haut vom Gesicht ziehen kann, nachdem alles „schön“ eingezogen ist?

Ich entschloss mich zu einem 6-wöchigen Experiment, mit der Bedingung, dass mein (zu der Zeit noch sehr skeptischer) Mann mir sagen sollte, wenn ich zu sehr „rieche“ oder er sonst in irgendeiner Weise das Gefühl habe, ich sei unangenehm für meine Mitmenschen. Ich verzichtete auf Deo, ich benutzte kein Shampoo mehr, keine Seife, keine Creme und überhaupt nichts mehr, was irgendwie chemisch zusammengesetzt war. Ganz nach dem Prinzip: Was du nicht isst, solltest du auch überhaupt nicht für deinen Körper verwenden. Es heißt, dass man Shampoo und sämtliche andere Kosmetika nur „äußerlich“ auf der Haut anwenden solle. Wenn diese jedoch auf die Haut, bzw. Kopfhaut gelangen, werden sie darüber ja trotzdem aufgenommen und so im Körper verstoffwechselt, bzw. vergiften so den Körper von innen. Das passiert übrigens binnen 30 Sekunden! Es heißt in der heutigen Zeit immer, man solle seinen Körper entgiften und bekommt sämtliche Lebensmittel und Hausmittel vorgeschlagen, die dabei unterstützen. Wenn wir jedoch dem Körper täglich sämtliche Gifte zu führen, kann man sich vorstellen, dass der Körper ordentlich zu tun hat. Dementsprechend ist es kein Wunder, dass wir vermehrt schwitzen oder eine fettige Kopfhaut haben – denn ganz simpel gesagt: aus irgendeiner Stelle muss es ja aus dem Körper wieder hinaus. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass es genau 4 Wege gibt für unseren Körper zu entgiften, also auszuscheiden: über die Atmung, über die Harnorgane und den Darm sowie über die Haut; und für uns Frauen gibt es auch noch die Möglichkeiten über die Periode auszuscheiden. Wie genau das funktioniert und was der Körper macht, wurde mir dann in meinem Experiment bewusst! Meine ganzen übrig gebliebenen, bzw. angefangen Fläschchen und Tuben habe ich wohl bedacht in einer riesig großen Tüte im Keller verstaut, für den Fall, dass es mich irgendwann noch einmal überkommen sollte und ich doch daran verzweifle, was ich mir vorgenommen hatte. Auf der anderen Seite wäre ich mir so schlecht dabei vorgekommen solch einen Batzen einfach zu entsorgen, und bis ich mir überlegt hätte, was ich damit anstelle, wollte ich keine voreiligen Entscheidungen treffen.

Mein Experiment hat am Ende dann sogar so gut funktioniert, dass ich mich nicht dazu durchringen konnte noch einmal die große Tüte aus dem Keller hochzuholen oder auch nur irgendeines der Fläschchen in die Hand zu nehmen. Meine Haare sind seither viel weicher, resistent gegen Nieselregen, und der Haarausfall ist deutlich vermindert. Meine Haut kann sich sehr gut selbst regulieren und dafür brauche ich nichts außer Kokosöl und Wasser. Und zu guter letzt hat sich auch mein Zahnfleisch darüber gefreut – ich habe nun gar kein Zahnfleischbluten mehr und kann überwiegend meine Zähne auch nur mit Wasser bzw. Kokosöl putzen. Seither fühle ich mich wesentlich freier, die Entscheidung für Naturhygiene war am Ende viel praktischer, als anfangs erwartet! Wenn ich gefragt werde, ob ich mir je wieder vorstellen könne, Kosmetik im herkömmlichen Sinne zu verwenden, muss ich schlichtweg verneinen. Ich würde es nicht ausschließen, unter bestimmten Bedingungen auf naturkosmetische Artikel zurückzugreifen, jedoch ist die Vorstellung konventionelle Kosmetik zu verwenden wirklich nicht mehr denkbar.

Freunde oder Bekannte fragen mich manchmal, ob es wirklich wahr ist und wie ich das so „gemeistert“ kriege im Alltag und ob es wirklich funktioniert – und ich muss immer nur wieder sagen, dass mich die Naturhygiene bis heute sehr entlastet. Ich spare seither unheimlich viel Geld und vor allem auch Zeit. Auf Reisen ist es sehr entspannt, da ich wirklich nicht viel brauche, außer vielleicht einer Bürste, meiner Zahnbürste und Kokosöl. Wie genau ich meinen Körper pflege und welche Rolle das Kokosöl dabei spielt, darauf möchte ich in anderen Beiträgen noch einmal eingehen. Jedoch sei gesagt, dass man seinen Körper mit einfachsten Mitteln pflegen kann, ohne zu stinken, zu verwahrlosen, verfilzte Haare zu haben und der Körper es ab einem gewissen Zeitpunkt schafft sich gut selbst zu „regulieren“. Da wir wahrscheinlich von Geburt an der Kosmetik ausgeliefert sind, ist es natürlich ganz einfach eine Umstellung und der Körper braucht Zeit, um zu merken, was das richtige „Maß“ ist. Natürlich fettet eine Kopfhaut erstmal nach, wenn sie ein Leben lang mit Shampoo trainiert wurde und ihr jegliche Form der Selbstregulation entzogen wurde.
Als weiteres Beispiel möchte ich hier die Sonnencreme aufführen, da diese ja oft polarisiert und ich auch eine Weile brauchte, um mir darüber meine Meinung zu bilden. Wenn man die Haut nie der Sonne aussetzt, wird sie von selbst nicht in der Lage sein, einen Schutz gegen die Sonne aufzubauen. Wenn wir sie also immer durch Creme schützen, entziehen wir der Haut sozusagen den natürlichen Schutz. Dieses bedeutet natürlich nicht, dass wir ein neugeborenes Baby in die direkte Sonne legen müssen, denn das wäre sogar fahrlässig. Wenn wir aber Babys von Anfang an mit einer Sonnencreme mit dem LSF 50 eincremen, wird die Haut keinerlei Probleme haben und es passiert einfach nichts, rein gar nichts, denn die Haut wird nie einen natürlichen Schutz aufbauen können. Auf der anderen Seite enthält Sonnencreme immer (!) wahnsinnig viele Zusatzstoffe. Auch wenn man zu einer absoluten Bio-nachhaltigen-Sonnencreme greift, die frei ist von Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen oder sonstigen Zusätzen, wir tun unserem Körper wirklich keinen Gefallen damit, wenn diese fanzen Giftstoffe in unseren Körper gelangen – vor allem nicht neugeborene Babys oder Kleinkinder. Es hat ja auch einen Grund, dass sie uns vor der Sonne schützt – dafür müssen wir unsere Haut eben ordentlich zukleistern. Als Stichwort sei hier nur Zinkoxid genannt – so etwas kann nicht gut sein für die Haut.

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Ich habe schon einige Diskussionen darüber geführt, ob es nun wirklich so schlimm ist, wenn man die Inhaltsstoffe eines Kosmetikprodukts nicht genau kennt oder ob man nicht doch einfach darüber hinweg sehen sollte. „So schlimm kann es ja gar nicht sein und es ist noch nie jemand daran gestorben.“ Man muss aber einfach sagen, dass es dazu überhaupt keine Studien gibt und dass es natürlich keinen direkten Zusammenhang zwischen der von heute verwendeten Kosmetik und bestimmten Erkrankungen oder Alterserscheinungen gibt. Es hat mich jedoch immer irritiert, dass ich viele der angegebenen Inhaltsstoffe auf Kosmetikprodukten, bio wie konventionell, einfach nicht richtig idenfizieren kann oder ansatzweise weiß, was nun wirklich dahinter steckt. (Viele Hersteller schreiben die Inhaltsstoffe ja sogar nur auf Englisch, so ist es noch schwieriger und man kann hinter den einzelnen Worten noch weniger vermuten.) An dieser Stelle möchte ich zumindest dazu anregen, einfach mal den Selbsttest zu machen und eine Zahnpasta oder ein Shampoo in die Hand zu nehmen, um zu gucken, was genau darin enthalten ist.
Möchte man seinen Körper zumindest etwas weniger als der Durchschnittsverbraucher belasten, kann man natürlich auf Bio-zertifizierte Kosmetik zurückgreifen, die wahrscheinlich teurer ist, dafür aber viele Inhaltsstoffe umgeht, und kann so seinen Mittelweg finden. Für mich ist es aktuell jedoch keine Alternative, weil ich mich somit wieder in eine Abhängkeit begeben würde. Für einen Übergang z.B. sind solche Produkte natürlich bestens geeignet und natürlich weitaus die bessere Wahl als die klassischen Produkte aus der normalen Drogerie. Es gibt für alles, aber auch wirklich alles, ein Hausmittel, welches bei der alternativen Körperpflege behilflich sein kann.

Ich möchte mit diesem Beitrag nur Inspiration geben, das allgemeine Konzept zur Verwendung von Kosmetik zu überdenken. Die Idee der alternativen Körperpflege oder Naturhygiene sollte kein Maßstab sein und jeder muss seinen eigenen Weg finden.

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Falls ihr Fragen habt, könnt ihr mir gern schreiben! In den Beiträgen über natürliche Zahnpflege und Haarpflege gehe ich schon detailliert darauf ein, wie genau sich meine Routine im Badezimmer gestaltet.

Alles Liebe,

Coco.

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