Nahrungsmittelunverträglichkeit – was will mir mein Körper damit sagen?

Der Begriff einer Nahrungsmittelintoleranz, bzw. -unverträglichkeit wird in den letzten Jahren immer präsenter, vielleicht ist es sogar zu einem Trend geworden, auf irgendein Lebensmittel oder eine ganze Gruppe von Lebensmitteln zu verzichten. Für manch einen ist es daher nur eine Modeerscheinung. Viele bringen ihn mit Laktose, also dem in Milchprodukten enthaltenen Milchzucker, in Verbindung. Je tiefer man in die Thematik einsteigt, um so mehr merkt man wie vielfältig sich so etwas gestalten kann. Die Frage ist jedoch, warum kommt es in unserer heutigen Gesellschaft vermehrt dazu, dass der Körper auf bestimmte in der Nahrung enthaltene Bestandteile reagiert? Ist es wirklich nur ein Trend? Liegt es vielleicht doch an der im Laufe der Jahre veränderten Zusammensetzung unserer Lebensmittel? Liegt es an einem Überkonsum? Hat die Umgebung, in der wir leben, wirklich so einen immensen Einfluss auf unsere Verdauung? Und in welcher Verbindung stehen damit all die bekannten, aktuellen „Zivilisationskrankheiten“?
Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren, aufgrund eigener, verschiedenster Beschwerden, intensiv mit dieser Thematik beschäftigt und nehme an, dass man diese Fragen für jeden einzelnen individuell beantworten muss. Jedoch kann es kein Zufall sein, dass die Häufigkeit von Unverträglichkeiten in den letzten Jahren so zugenommen hat. Die Ursachen können daher natürlich verschieden sein, jedoch liegt es nahe, dass eine dort in irgendeiner Weise ein gemeinsamer Nenner zu finden ist.
Um die einzelnen Begrifflichkeiten abzugrenzen, möchte ich Sie demnächst genauer definieren.
Eine Allergie im herkömmlichen Sinne bezieht sich auf eine allergische Reaktion. Dies kann verschiedenste Allergene zur Ursache haben. Der Körper reagiert mit diversen überempfindlichen Symptomen, welches aus Schutzmechanismus angesehen werden kann. Als Beispiele soll hier eine Tierhaarallergie genannt sein. Bezogen auf ein Nahrungsmittel ist bspw. die Nussallergie sehr verbreitet. Eine Testung kann durch den Prick-Test erfolgen, welche jedoch teils nicht notwendig ist, wenn die Allergene bereits bekannt sind.
Eine Nahrungsmittelintoleranz oder –unverträglichkeit ist der Allergie ähnlich und es treten, wie der Name sagt, nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln verschiedenste Beschwerden auf, mit dem Unterschied, dass man mit einer zeitlichen Verzögerung von sogar einigen Stunden rechnen kann. Interessant hierbei ist jedoch, dass ein gewisser minimaler Anteil vom Körper toleriert wird und durch einen zeitweisen Verzicht sogar eine spätere Genesung möglich ist. Schwierig gestaltet sich jedoch die Testung, da hier noch nicht alles erforscht ist und bereits etablierte Tests nicht von der klassischen Schulmedizin anerkannt werden.
Wer bereits selbst davon betroffen ist, kennt das übliche Prozedere. Auch für mich waren viele Arztbesuche sehr enttäuschend.
In Deutschland „diagnostiziert“ man weitgehend durch Blut- und Stuhluntersuchungen und es besteht die Möglichkeit zur Bestätigung durch einen Atemtest. Für bspw. Zöliakie bzw. Glutenunverträglichkeit besteht weiterhin die Möglichkeit eine Gewebeprobeentnahme während der Darmspiegelung (die erfahrungsgemäß auch nicht immer gelingt!).
Bei mir wurde damals ein Teil dieser Diagnostikmöglichkeiten durchgeführt, jedoch ohne zielführendes Ergebnis. Als ich hierzu recherchierte, las ich immer wieder, dass aufgrund verschiedenster Ursachen, trotz bestehender Unverträglichkeit diese Tests keinen Befund liefern und negativ ausfallen. Bei mir war es schlussendlich ein sogenannter „IgG-Test“, auch auf Basis der Blutprobe, der dann Aufschluss brachte. Leider ist dies noch immer eine Selbstzahlerleistung.
Wer den Test noch nicht kennt, hier ist eine kurze Beschreibung: IgG steht für den Antikörper Immuglobin G, welcher als Reaktion auf bestimmte Lebensmittel oder bestimmte Bestandteile in der Nahrung dann im Blut nachweisbar ist, sobald eine Reaktion erfolgt. Bei einem kompletten Test werden i.d.R. gut 250 Lebensmittel bzw. Bestandteile getestet. In Kombination mit einem zusätzlichen Darmprofil gibt es gut Aufschluss darüber, was genau sich im Darm gerade tut. Hat man ein Ergebnis, kann man Ursachenforschung betreiben, die sich in vielen Fällen vielleicht sogar mit denen anderer Betroffener deckt.
Bei mir waren es glutenhaltige Lebensmittel sowie Kasein, Fisch, Eier und auch (leider) Mandeln, welche im Test besonders auffällig waren. Die Darmpermiabilität war mit einem Wert von 93 sehr erhöht und ergibt in Kombination mit Gluten total Sinn.
Nun ist natürlich die Frage – was war zuerst da? Die durchlässige Darmschleimhaut oder die Unverträglichkeit gegenüber Gluten? Oder bedingt es sich gegenseitig?
Schaut man im Netz nach den IgG-Tests, stellt man schnell fest, dass sie polarisieren. Manche behaupten, dass es wenig Sinn mache, dass im Blut so viele Antikörper auf zig verschiedene Nahrungsmittel oder -bestandteile nachzuweisen sind. Doch an der Stelle muss man sich fragen, was die Ursache für diese enorme Antikörperbildung sein kann. Hier bedingt sich wohl vieles gegenseitig und man kann ziemlich sicher sagen, dass die Darmflora insgesamt aus dem Gleichgewicht geraten ist. Auch kann man hier von einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms ausgehen (SIBOS).
Bestätigung und Aufschluss wird hier nur der Versuch eines Verzichts bringen. Hier gibt es viele sehr positive Berichte und viele beschreiben diese Erkenntnis als eine wahre Erleichterung. Daher sollte jeder für sich selbst sorgen und ausprobieren, ob der Verzicht das Testergebnis bestätigt und ob dieses eine Besserung mit sich bringt.
Da Nahrungsmittelunverträglichkeiten oft in Kombination auftreten („eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kommt selten allein“), ist die Diagnostik ohnehin erschwert. Eliminationstest sind in diesem Fall überhaupt nicht aussagekräftig. Auch ich stellte im Nachhinein fest, dass das bei mir genau die Schwierigkeit war. Die Kombination von Gluten und Kasein erschwert jegliches Ausprobieren. Selbst eine vegane Ernährung kombiniert mit konsequentem Verzicht auf Gluten brachte bei mir bspw. keine 100% Verbesserung der Symptomatik – wie auch, wenn man Mandeln als wunderbaren Ersatz für Mehl, Milch, Brotaufstrich und noch vieles mehr verwendet.
Daher stehe auch ich diesem Testverfahren sehr positiv gegenüber. Bei mir hat der Verzicht auf die unverträglichen Lebensmittel eine enorme, positive Auswirkung mit sich gebracht.
Ich spüre ich aktuell, dass sich mein Darm endlich regulieren kann, sich die Schleimhaut regeneriert und mein Körper sich insgesamt sehr erholt. Ohne den IgG-Test hätte ich weiter im Dunkeln getappt.
Daher kann ich jedem, der seit geraumer Zeit ähnliche Probleme mit sich „rumschleppt“ nur ans Herz legen, dieses nochmal genau abklären zu lassen. Es gibt zahlreiche (alternative) Testmöglichkeiten, und die Abklärung zusammen mit einem ganzheitlichen Arzt, der eventuell sogar auf Probleme im Magen-Darm-Bereich spezialisiert ist, kann sehr viel Aufschluss bringen.
Ich bin generell davon überzeugt, dass eine pflanzenbasierte Ernährung viele Vorteile mit sich bringt und für ein langes Leben wirklich unabdingbar ist, jedoch kann es außerhalb des „normalen Alltags“ z.T. schwierig sein, wenn man sich sehr einschränkt. Dieses hat in vielerlei Hinsicht damit zu tun, dass eine rein pflanzliche Ernährung noch immer als etwas Besonderes angesehen wird und die Vorstellung einer konventionellen Ernährung noch immer zu verbreitet ist. Nicht immer wird auf besondere Bedürfnisse Rücksicht genommen. Ich bin jedoch gern unterwegs, ich möchte gern reisen und kann leider dennoch nicht immer davon ausgehen, dass ich mich jederzeit und überall rein pflanzlich und dazu noch absolut glutenfrei ernähren kann.
Doch immer noch frage ich mich: warum kommt es überhaupt dazu, dass diese Antikörper im Blut nachweisbar sind und manche Lebensmittel für den Körper nicht mehr verträglich sind?  Ist es in unseren Genen vorprogrammiert? Liegt es an dem Leben, was wir heute führen? Oder möchte unser Körper uns einfach nur ein Zeichen geben und uns daran erinnern, was wirklich gut für ihn ist, uns zeigen was er braucht?
Ich höre immer von vielen „Ach, du ernährst dich ja immer so gesund!“ – Tue ich das wirklich? Gibt es eine Definition für „gesunder Ernährung“ in der heutigen Zeit? Gesunde Ernährung ist individuell, und nicht jeder verträgt genau das, was für einen anderen super verträglich ist. Als Beispiel möchte ich meine Unverträglichkeit gegenüber Mandeln nennen: Mandeln sind grundsätzlich gesund, für mich jedoch einfach nicht verträglich und bereiten meinem Magen und Darm große Schwierigkeiten.
Wichtig ist, dass man sich nicht von Dogmen oder Ratschlägen irritieren lässt, sondern viel mehr seinem Bauchgefühl folgt. Es ist manchmal schwer dem Instinkt zu folgen, welche Lebensmittel uns gut tun, was für uns verträglich ist, was wir brauchen. Daher ist es um so wichtiger, auf das Bauchgefühl zu hören.
Habt ihr Fragen? Oder habt ihr bereits auch ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder ist die pflanzenbasierte Ernährung aus anderen Gründen zu einer Lebenseinstellung geworden?
Ich freue mich auf Kommtare und Feedback!
Alles Liebe,
Coco
Advertisements

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s