Zur Ruhe finden

img_3200a

In der heutigen Zeit passiert es schnell, dass wir im Alltag unser eigentliches Ziel aus den Augen verlieren. Wir schweifen mit den Gedanken ab, wir sind abgelenkt, beschäftigen uns mit vielen Sachen gleichzeitig. Jeder kennt es: irgendwann spüren wir die Unruhe in  unserem Körper und es fällt schwer einen klaren Kopf zu bewahren. Doch woher genau kommt diese Unruhe und was brauchen wir für mehr Ausgegleichenheit?

Wenn wir morgens aufstehen, und kaum das Bett verlassen haben, kommt uns schon in den Sinn, was für den heutigen Tag alles auf der To-Do-Liste vermerkt ist und woran wir denken müssen. So versuchen wir im Laufe des Tages eines nach dem anderen abzuhaken, währenddessen fallen uns noch 10 neue Dinge ein, die es zu erledigen gilt. Zwischen Arbeit und Erledigungen, gehen wir ganz nebenbei unseren eigentlichen Bedürfnissen nach. Wir bereiten uns etwas zu essen zu und telefonieren nebenbei, das Essen verzehren wir Fernsehen schauend. Wir nutzen jeden freien Moment, um uns über irgendetwas Gedanken zu machen: was wir am nächsten Tag anziehen, was wir am Wochenende unternehmen werden, was wir unserer Freundin zum Geburtstag schenken. Jeder Moment wird gefüllt und so wird eines mit dem anderen kombiniert. Wir hetzen durch den Alltag, versuchen alles unter einen Hut zu bringen, wir möchten alles sofort erledigen, nichts versäumen, über alles informiert sein. Der Stress treibt uns an, und irgendwann verlieren wir den Überblick.

Sich auf die wesentlichen Dinge konzentieren

Es erscheint zunächst einfacher, sich mit vermeindlich wichtigen Sachen abzulenken. Natürlich findet sich da immer schnell etwas – ganz gleich, ob es der Teppich ist, der gesaugt werden möchte oder der Wocheneinkauf, der noch erledigt werden muss. So sind wir beschäftigt und haben keine Zeit, um uns mit den wirklich wesentlichen Dingen auseinander zu setzen. Mit jedem Haken auf unserer Liste können wir uns auf die Schulter klopfen und uns dazu beglückwünschen, was wir an diesem Tag schon alles „geschafft“ haben. Multitasking-Fähigkeit wird groß geschrieben. Doch wie oft am Tag nehmen wir denn eigentlich bewusst wahr, was wir wirklich tun? Wenn wir mit den Gedanken ganz woanders sind, fällt es uns auf die wirklich wichtigen Sachen einzulassen.

Zur Ruhe kommen

Natürlich streben wir an, dass es uns gut geht, dass wir unser Leben genießen, wir angenehme Momente verbringen, unsere Freizeit optimal ausnutzen. Im gleichen Moment klingt es verwerflich, wenn man einfach mal nur „sitzt“ und sich einen ruhigen Moment gönnt, ganz für sich allein. Wann genehmigen wir unserem Körper mal wirklich eine Pause? Wann ist möglich, dass wir mal einen Moment inne halten und die Ruhe genießen?

Der Unruhegeist ist ein Phänomen der heutigen Zeit und es bedarf viel Achtsamkeit, um ihn zu bändigen. Wenn wir ihm mit viel Geduld und Verständnis begegnen, gelingt es uns vielleicht den einen oder anderen Moment im Alltag gewissenhaft wahrzunehmen. Doch wie kann es mir gelingen innerlich zur Ruhe kommen und einfach mal einen Moment innehalten?

Medien in der heutigen Zeit und ständige Verfügbarkeit

Ich habe mich lange Zeit immer wieder dabei erwischt, wie ich im Alltag versucht habe, alles parallel zu managen. Morgens in der 15minütigen Bahnfahrt war ich mit mehreren Sachen gleichzeitig beschäftigt, meine 30min Pause während der Arbeit nutzte ich auch vermeindlich „effektiv“, auf dem Heimweg habe ich dann gleich noch mehrere Sachen erledigt, um anschließend wahnsinnig geschafft zu Hause anzukommen. Das Handy immer griffbereit oder sogar schon in der Hand, um immer up-to-date zu sein, um zu wissen, was in der Welt passiert, um keinen Anruf zu verpassen, um Sachen zu recherchieren, Emails zu checken, Freunde zu informieren und und und. Am Abend fand ich mich oft fernseh-schauend auf der Couch, weil alles andere mich wahrscheinlich überfordert hätte. Schlussendlich war ich fast sauer auf mich selbst, wenn ich etwas nicht geschafft habe. Ein negatives Selbstgefühl führt dann sogar zu noch mehr Unruhe.
Die heutigen Medien, soziale Netzwerke, Handys mit stets perfekter Verbindung verleiten zu einer 100%en Dauerverfügbarkeit. Um so schwerer fällt es dann zur Ruhe zu kommen, dabei ist dies so wichtig, um in der heutigen Zeit nicht im totalen Chaos zu versinken und sich zu besinnen, um zu wissen, was einem wirklich wichtig ist. Medien beschlagnahmen uns mit all unseren Sinnen – wenn man sich das erst einmal bewusst macht, fällt es vielleicht leichter sich davon  zu distanzieren.

Eine Tasse Tee und einen Moment inne halten

Mir persönlich hat es sehr geholfen, dass ich mir einfach nur bewusst gemacht habe, wie wichtig Ruhe für mich und meinen Körper ist. Einfach mal einen Moment nichts machen, und damit meine ich n.i.c.h.t.s. So halte ich manchmal einfach einen Moment inne, konzentriere mich auf meinen Atem, nehme meinen Körper achtsam wahr oder beobachte Geräusche um mich herum. Und dann bin ich mal mit allen meinen Sinnen nur bei mir – ich höre, ich sehe, ich spüre, ich fühle und nehme mich so bewusst wahr. Warum ist es verwerflich abends heimzukommen, seinen Feierabend für einige Minuten in Ruhe zu genießen und sich einfach nur eine Tasse Tee zu gönnen –  einfach so, und ohne, dass man dabei irgendetwas anderes tut. Mir hilft es, mich innerlich zu sammeln und zur Ruhe zu kommen. Nur wenige Minuten reichen dann aus und man hat um so mehr Energie für den Rest des Abends.

Meditation für die innere Ruhe

Eine morgendliche Meditation erschien mir lange Zeit zu „anstrengend“. Ich habe mir immer gedacht, dass mir das noch weitere kostbare Minuten am Morgen raubt. Unerwarteterweise ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn man sich nur wenige Minuten simplerweise mit dem achtsamen Atem beschäftigt, startet man ganz anders in den Tag und kommt im Körper an. Dabei muss es nicht mal eine sehr tiefe Meditation sein, die den Körper zur Ruhe bringt. Es reicht, wenn man sich ein paar Minuten Zeit gibt, sich auf seinen Körper zu konzentrieren. Dafür genügt dann sogar eine kurze morgige Bahnfahrt, bei der man sich dann auch nicht von dem Getümmel und den anderen Menschen aus der Ruhe bringen lässt. So kommen wir im Körper an und starten ganz bewusst in den Tag. Ein achtsames Hineinspüren in unseren Körper verhilft uns zu einer besseren Selbstwahrnehmung. Wer es einmal versucht, wird schnell spüren, wie ausgeglichen man sich dadurch fühlt.

Gewohnheiten ablösen

Warum schauen wir denn ständig auf unser Handy? Warum schalten wir regelmäßig den Fernseher ein, um eine so bekannte Sendung oder Serie zu sehen? Warum gehen wir Ritualen nach und hinterfragen sie nicht? Manche Gewohnheiten schleifen sich ein, manchmal über Jahre hinweg, andere kommen sehr spontan.
Man sollte diesbezüglich nicht zu kritisch mit sich sein, doch es ist wichtig, dass man wahrnimmt, was man tut und auch warum. Ist man sich sicher, dass einem etwas nicht gut tut, sollte man versuchen, etwas zu ändern und schlechte Gewohnheiten durch eine andere Aktivität abzulösen. Dabei muss man gar nicht so „groß“ denken. Es bringt auch nichts sich irgendetwas zu verbieten, alte, eingeschliffene Gewohnheiten wollen durch etwas Neues abgelöst werden. Man sollte sich immer fragen: was ist mir wichtig? Wer den Wunsch hat, etwas zu verändern, hat mit der Motivation schon den ersten wichtigen Schritt getan. In der Regel braucht es nur wenige Wochen bis man neue Gewohheiten verinnerlicht hat. Kleine Schritte können dabei auch helfen: wer sich das Fernsehgucken abgewöhnen will, kann zunächst vielleicht einfach das Radio einschalten, später eine CD mit angenehmer Musik hören und irgendwann ganz in der Stille verweilen. Jeder kleine Schritt kann einen Übergang bedeuten, auf dem Weg zu etwas Neuem.

Eine Entscheidung treffen

Wollen wir die Unruhe überwinden, müssen wir versuchen unserem Körper mehr Ruhe zu gönnen. Das heißt nicht, dass wir ganz und gar auf alles verzichten müssen. Sofern man in gewissen kurzen Momenten zur Ruhe kommt und sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentriert, wird man langfristig einen klaren Kopf bewahren können und sich so ausgeglichener fühlen.
Es kann dabei helfen, wenn man sich immer wieder zurückbesinnt und sich daran erinnert und bewusst macht, was einem wichtig ist. Das sammelt die Gedanken und führt im Idealfall dazu, dass man die unruhigen Momenten wieder stärker wahrnimmt. Natürlich ist es wichtig, mit sich selbst geduldig zu sein, denn manchmal kann es lang dauern bis man das eine oder andere verinnerlicht und man eine Veränderung spürt. Ist man geduldig mit sich selbst,  sorgt das wiederum weiterhin für Ruhe und Ausgeglichenheit.

img_3200a

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s